Spreewald – Radtour 2009

Auch dieses Jahr waren wir wieder auf Tour (die 5.)
Den Bericht dazu hat unsere Brigitte erstellt – vielen, vielen Dank! Die Bilder wie immer von mir…
Gruß Uwe

Gurkenradweg

Zum fünften Mal zog es uns auf den Drahtesel, um Deutschland per Fahrrad zu entdecken. Und dass es viel zu entdecken gibt, haben wir schon bei unseren vier vorangegangen Touren eindrucksvoll „erfahren“. Nach dem Klassiker Passau – Wien, wo wir sogar außerhalb der deutschen Grenzen Erfahrungen sammelten, fuhren wir noch am niedlichen Altmühlflüsschen entlang, waren absolut begeistert vom Moselradweg und erlebten im vorigen Jahr den beeindruckenden Mainradweg.

In diesem Jahr stand der Gurkenradweg auf unserer Agenda. Ca. 250 km führt er durch den Spreewald, der durch seine Fließe und seiner unberührten Natur bekannt ist. Neugierig wie immer, und bereit uns auf ein neues Abenteuer einzulassen, zogen wir los, um diesen Teil Deutschlands zu erkunden. Da wir acht Personen waren, buchten wir bereits sämtliche Unterkünfte im Voraus. Bisher hat sich das immer bewährt, da man ohne qualvolle Quartiersuche den Tag besser genießen kann und somit die Zeit ausgiebig nutzen durfte, um all das Interessante und Spannende entlang der Strecke zu entdecken.

Absolutes Neuland betraten wir in diesem Jahr, da wir zum ersten Mal mit der Deutschen Bahn anreisten. Um das vorwegzunehmen, sowohl bei der Anreise wie bei der Abreise, stießen wir auf keine größeren Probleme. Nicht auszudenken wäre allerdings der Fall gewesen, dass mehrere Fahrradtruppen die gleiche Idee wie wir hatten. So war immer etwas „Luftanhalten“ mit dabei … Vielleicht ein Tipp an die Deutsche Bahn, eventuell doch noch etwas mehr Herz für uns Fahrradfahrer zu zeigen.

Gegen 13.00 Uhr kamen wir in Cottbus an. Unserer Ausgangsbasis war erreicht und schon wurde aufgesattelt, um zu unserem ersten Highlight zu gelangen. Der Branitzer Park am Rande der Stadt galt von uns erobert zu werden. Wunderschön angelegt bezaubert er uns sofort. Idyllisch liegt das Schloss vor unseren Füßen und wir waren sehr angetan von seinem Prunk und seinem Stil. Wir verließen nicht den Park bevor wir die beiden Pyramiden in Augenschein genommen hatten.

im Branitzer Park

im Branitzer Park

das Schloss im Branitzer Park

das Schloss im Branitzer Park

eine der Pyramiden im Park

eine der Pyramiden im Park

Weiter fuhren wir nach Kahren, wo wir unser erstes Quartier aufschlugen.

Am nächsten Tag starteten wir nun endlich zur eigentlichen Fahrradtour. Nach einem kräftigen Frühstück sattelten wir auf und ab ging es zum Gurkenradweg. Der Gurkenradweg ist ein Rundradweg den man individuell beginnen kann. Wir wollten in Cottbus „einsteigen“, merkten aber bereits hier, dass die Ausschilderung für uns Fremde nicht ganz so einfach war. Nach einer nicht eingeplanten Extratour ging es nun endlich auch für uns wirklich los. Bis Burg war der Fahrradweg sehr idyllisch. Wir fuhren auf gut gepflasterten Fahrradwegen durch schöne Wälder. Nach unserer Rast in Burg war es nun schon wieder schwierig den weiteren Weg zu finden. Kurz vor Lehde durchfuhren wir einen Märchenwald, links und rechts eingebettet von Fließen. Angekommen in Lehde waren wir äußerst betrübt, da das Spreewaldmuseum bereits um 18.00 Uhr schloss. Nach unserem obligatorischen Ankommensbier bezogen wir unser Quartier. Richtig romantisch wurde es noch am Abend, da wir mit einem Kahn von einem singenden Kahnfährmann auf Zeit ans andere Ufer zum Abendbrot gebracht wurden und ein anderer uns auch sicher wieder mit gut gefüllten Mägen zurückbrachte. Danke ihr lieben Jungs für den sensationellen Einsatz!

Der zweite Radlertag begann wieder mit herrlichem Sonnenschein. Heute verließen wir den Oberspreewald und fuhren über Lübben nach Golßen. Zuerst ging es durch wunderschöne Wege an Fließen und Klatschmohnfelder vorbei. Überall grüßten uns Störche, die in ihren Nestern ihre Jungen versorgten. In Lübben durchkosteten wir die angebotenen Gurken bei den Händlern. Leider konnten wir wegen der argen Platznot in unseren Radtaschen ihnen keinen Umsatz bescheren. Aber immerhin fanden ein Plüschstorch und eine Plüschgurke neue Besitzer. Nachdem wir die Paul-Gerhardt Kirche bewundert hatten, fuhren wir auf geradem Weg nach Golßen. In Golßen angekommen erwartete uns dass, was wir leider bisher bei jeder Tour einmal antrafen: ein furchtbares Quartier. Also liebe Leute! Bitte auf jeden Fall die Pension: „Zur alten Bäckerei“ meiden.

die "alte Bäckerei"

die "alte Bäckerei"

In Punkto Sauberkeit und Ordnung fällt diese Anwesen auf jedem Fall total durch. Auch Golßen selber lohnt sich nicht wirklich. Wir fanden nach unserer Ankunft noch nicht einmal ein Café, wo wir gemütlich ein Päuschen machen konnten. Tote Hose in allen Ecken und Enden. Golßen kann man also wirklich von seinem Besuchsprogramm streichen. Tut mir zwar jetzt für die Golßener Einwohner etwas leid, aber da gibt es wirklich nichts schönzureden! Lohnen tut sich dafür auf jeden Fall in die Kanow-Mühle bei Christine und Jörg Behrendt in Sagritz hineinzuschauen. Trotz Ruhetag nahm sich Herr Behrendt Zeit für uns und lies uns sogar von seinen sensationell guten Ölen naschen. Auf diesen Wege nochmals Vielen Dank!

Golßen verließen wir am nächsten Morgen rasch. Nur schnell weg. Ging aber leider gar nicht so einfach, wie wir betrübt feststellen mussten. Denn ein dickes Umleitungsschild machte unsere Wünsche erst einmal zunichte. Aber wir Thüringer Jungs und Mädels ließen uns durch solche Schilder nicht abschrecken. Also rauf auf die Piste und durch! Und es ging gut. Sogar noch ein netter Plausch mit einem Straßenarbeiter war drin. Der freute sich, weil wir den fast fertig gestellten Radweg so lobten. Von der Ferne grüßte alsbald Tropical Island. Wir hatten aber anderes vor. Denn nun gab es endlich mal Berge! Die Krausnicker Berge wollen von uns erradelt werden. Trotz sandigem und steinigem Waldweg schafften alle diese kleine Herausforderung und vom Wehlaturm konnte man ins weite Lausitzer Land blicken.

Ausblick vom Wehlaberg

Ausblick vom Wehlaberg

Ausblick vom Wehlaberg - zu sehen das Tropical...

Ausblick vom Wehlaberg - zu sehen das Tropical...

der Aussichtsturm auf dem Wehlaberg

der Aussichtsturm auf dem Wehlaberg

Von da aus war es nicht mehr weit bis zu unserem heutigen Tagesziel Alt Schadow. Dieser Ort liegt idyllisch am Neuendorfer See. Nach einem leckeren Abendbrot bewunderten wir noch einen atemberaubenden Sonnenuntergang am Strand des Sees.

Der nächste Morgen war kalt aber super sonnig. Hoffentlich wurde es noch warm, denn wir hatten „Kurze Hose“ Befehl. Kaum auf dem Fahrrad verfranzten wir uns. War aber sicherlich in diesem Fall mal unsere Schuld, denn wir hatten beschlossen vom Gurkenradweg etwas abzukommen. Überhaupt war es aber trotzdem schwierig immer den richtigen Weg zu finden. Wir hatten zwei Gurkenradkarten mit, aber jede war irgendwie anders. Auch nervig waren die vielen Straßenfahrten. Noch nie bei einer Radtour mussten wir so oft mit der Straße vorlieb nehmen. Sicher, der Verkehr ist da nicht so dolle, aber irgendwie wird dann doch die Qualität der Tour etwas geschmälert. Auch für die Autofahrer ist es nicht nett. Denn wer überholt schon gerne Fahrradkolonnen? Bei dem ein- oder anderen Mal war es auch ganz schön knapp…
In Schlepzig angekommen war die im Fachwerkstil errichtete Kirche unser erster Anlaufpunkt. Mit barockem Innenleben faszinierte und begeisterte sie gleichermaßen. Als Clou konnte man eine Taste drücken und so gab es in der ehrwürdigen Kirche bezaubernde Kirchenmusik.

die Kirche in Schlepzig

die Kirche in Schlepzig

Das war der erste Höhepunkt des Tages. Der zweite Höhepunkt folgte sogleich, wenngleich dieser wohl ehr weltlicher Art war. Denn in dem beschaulichen Ort war auch eine alte Brauerei ansässig. Auch wer kein Bier trinkt ist hier goldrichtig. Liebevoll und mit viel Sinn für Details war der Brauraum mit Gaststätte hergerichtet. Uns zog es aber nach draußen, da die Sonne nun warm und wohlig ihre Strahlen zu uns sendete. Der Außenbereich stand dem Innenbereich in nichts nach. Liebevoll arrangierte Sitzgruppen mit Blick zum Wasser ließen unser Herz schneller schlagen. Liegestühle luden zum Träumen ein und der Blick zu dem Weidendom war auch ein Augenschmaus. Und das Bier erst!!! Lecker ohne Ende! Unsere Freunde schwärmen zudem noch heute von dem leckeren Fettbrot und der unvergleichguten sauren Gurke dazu.

der Braugasthof

der Braugasthof

Nach dem wir diese Pause ausgiebig genossen hatten, ging das schöne Leben weiter. Wir radelten an idyllischen Seen entlang und das bei wirklich paradiesischem Sonnenschein. Unbedingt wohlwollend erwähnen müssen wir auch noch unsere zweite Rast in Alt Zauche. Im Gasthaus „In Mühle“ bekommt man leckere Erdbeerplinse und Erdbeerkuchen und das in einem liebevoll hergerichteten Gastraum, oder so wie wir im netten Biergarten. Bis zu unserem heutigen Ziel war es nur noch ein Katzensprung. Aber auch da ging unser Glückstag weiter. In der Pension „Fünf Linden“ in Straupitz fanden wir nicht nur ein nettes Quartier, sondern die rührigen Pensionsbesitzer gingen perfekt auf die Bedürfnisse ihrer Gäste ein und so fanden wir tatsächlich auch niedlich angerichtete Sitzgruppen, ein Lagerfeuerplatz, Tischtennis und als absolutes Highlight einen Pool samt Liegen.

unsere Unterkunft "Fünf Linden"

unsere Unterkunft "Fünf Linden"

Klar, dass wir den Pool als erstes in Angriff nahmen. Na gut, nicht alle. Aber immerhin drei von uns wussten dieses tolle Angebot zu schätzen. Den Tipp von unserem Herbergschef griffen wir gern auf und aßen außerordentlich gut und preiswert in der Gaststätte „Zur Byttna“. Am Lagerfeuer ließen wir dann diesen außergewöhnlich schönen Tag ausklingen.

Am nächsten Morgen stiegen wir nicht auf das Rad, sondern in den Kahn „Fritz“ um mit seinen Fährmann Detlef in den Fließen der Spree zu schippern. Fährmann Detlef brachte uns und den Kahn bis nach Leipe. Dort hielten wir Rast und versäumten auch nicht einen Blick in den alten Konsum zu werfen, wo jetzt eine kleine Ausstellung über den Ort über die Sorben und das Leben von früher eingerichtet wurde. Wieder auf dem Fließ genossen wir die Natur, die Ruhe, Fauna und Flora.

unterwegs mit dem Boot

unterwegs mit dem Boot

unterwegs mit dem Boot

unterwegs mit dem Boot

unterwegs mit dem Boot

unterwegs mit dem Boot

unterwegs mit dem Boot

unterwegs mit dem Boot

unterwegs mit dem Boot

unterwegs mit dem Boot

Am Nachmittag besuchten wir den Alten Speicher in Straupitz und ließen uns auf das frühere Leben in der Region ein. Sehr beeindruckend und sympathisch zeigte uns die Chefin die Ausstellung. Auch hier sollte man unbedingt hineinschauen. Abendbrot gab es wieder in der „Byttna“ und im wunderschönen Garten unserer Pension ließen wir den Tag beim Bierchen noch einmal Revue passieren. Gestört wurden wir nur von den Mücken, die in uns ihre Beute fanden.

Die letzte Etappe wurde von uns völlig geändert. Statt über Peitz zurück nach Cottbus zu fahren, entschieden wir uns stattdessen die Slawenburg Raddusch anzusehen, für die bei der Hinfahrt leider die Zeit nicht reichte. Erster Stopp war im Barfußpark Burg. Hier wurde mit dem Slogan „Verwöhnprogramm von unten“ geworben. Zeig mir die Frau die da nicht gern zugreift. Also Schuhe aus und rein ins Vergnügen. Nun testeten die neugierigen und abenteuerlustigen Frauen dieses Angebot. Alle waren danach der gleichen Meinung: Ah, tat das gut! Wer trotz allem zu viel Respekt vor dem Barfußgang hat, sollte trotzdem halten und bei den superfreundlichen Frauen unbedingt den Kuchen probieren. Schon allein dafür lohnt sich das Absteigen vom Drahtesel! In der Slawenburg angekommen kauften wir Tickets, um die wirklich ansehenswerte Ausstellung zu bewundern.

die Slawenburg

die Slawenburg

Nach einer kurzen Rast (wo der Gastwirt noch nicht einmal wusste, dass Jena im Thüringischen liegt) fuhren wir nochmals durch den wunderschönen Branitzer Park zurück in unser Quartier in Kahren.

Somit war sie vorbei unsere 5. Tour. Diese war völlig anders als die anderen. Aber auch schön. Eben anders schön. So richtig ins Schwitzen gekommen ist in diesem Jahr wohl kaum einer. Gerade Strecken verwöhnten unseren Schweinehund und mit Rückenwind war es ein Leichtes 20 km mal so eben zu absolvieren. Wir haben bei der Tour viele reizvolle Ecken und Plätze gefunden, haben uns in die vielen Störche verliebt, waren angetan von der Weite und Schönheit der Natur. Und trotzdem fehlte so bisschen der Stolz, wenn man nach einer anstrengenden Etappe ins Quartier radelt. Aber im nächsten Jahr sieht es gewiss wieder anders aus. Gefehlt hat uns auch ein gewisses Urlaubsflair. Wir als „noch jungen Spunde“ wollen nach Erreichen des Ziels noch ein bisschen Sightseeing machen, wollen Museen besuchen, Parks durchstreifen, Cafés genießen, Burgen besteigen, Städte erkunden. Und bei dieser Tour war das Angebot doch etwas mau. Trotzdem haben wir es nicht bereut, den Gurkenradweg abgefahren zu sein.

So richtig ist der Gurkenradweg allerdings nicht zu empfehlen. Es fehlt grade im hinteren Land noch einiges an Infrastrukturen. Außerdem ist er alles andere als optimal ausgeschildert und das ewige Straße fahren ist auch nicht wirklich lustig. Der Spreewald ist allerdings wirklich toll. Besser als auf den Gurkenradweg ist man sicherlich auf dem Spreeradweg aufgehoben. Dort durchfährt man ja auch ein großes Stück vom Spreewald. Eine gute Alternative ist allerdings auch sich im Spreewald ein Ausgangspunkt zu suchen – denkbar wäre Burg, Lübbenau oder Lübben – und von dort sich per Tagestouren die Schönheiten der Natur erlebbar zu machen. Ach so, sollte wirklich jemand sich in den Spreewald wagen – dann bloß nicht das Mückenspray vergessen!!

der Storch - derzeit sehr häufig im Spreewald anzutreffen

der Storch - derzeit sehr häufig im Spreewald anzutreffen

... auf Nahrungssuche

... auf Nahrungssuche

Tags » «

Autor:
Datum: Dienstag, 23. Juni 2009 18:36
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Fotografien

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Kommentare und Pings geschlossen.

3 Kommentare

  1. KolleginvonChristine
    Mittwoch, 24. Juni 2009 11:52
    1

    Schöne Bilder, schöner langer guter Bericht der Lust auf den Spreewald macht. Dank Christine und als viel Blogleserin werde ich hier ab und an vorbeischauen 🙂 .

    P.S. Es ist ziemlich umständlich sich anzumelden, vielleicht könntest Du die Kommentarfunktion freigeben, könnte mir vorstellen, daß dann auch mehr Kommentare kommen. Man liest sich 😉 !

  2. 2

    Danke 🙂
    Ich habe die Kommentarfunktion freigegeben (nur noch Angabe Name + Email notwendig)
    Gruß Uwe

  3. Christine Walzog
    Freitag, 3. Juli 2009 11:06
    3

    Lieber Uwe,
    auch ich muß Dir mal paar Zeilen schreiben! Der Reisebericht und Deine tollen Bilder machen Lust auf meeehhhr! Warum macht Ihr Beide Euch nicht selbständig, als Reisejournalisten? Auch Deine Bilder von den schönen Orchideen finde ich ganz toll, kennst Du Dich wirklich so gut mit Orchideen aus? Ich müßte bestimmt mit einem Orchideenbuch losziehen um alle zu erkennen.
    Macht weiter so schöne Reiseberichte, vielleicht könnt Ihr die wirklich mal veröffentlichen!
    Viele liebe Grüße
    Christine